Hier spenden 20. August 2020

In wenigen Tagen geht die Schule in Bremen wieder los und auch unsere Kindertrauergruppen starten wieder. Doch den tatsächlichen Bedarf an Gruppenplätzen kann Trauerland aufgrund der geltenden Abstandsregeln derzeit nicht auffangen.

Die Vorbereitungen für den Start der Kindergruppen nach den Ferien laufen bei Trauerland auf Hochtouren. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch in diesem Sommer sieht Trauerland-Gründerin Beate Alefeld-Gerges dem Wiederbeginn der Gruppen mit gemischten Gefühlen entgegen: Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen können die Gruppen nur in reduziertem Umfang stattfinden. „Aktuell haben wir Wartelisten für die Schnuppertermine zum Einstieg in die Trauergruppen bis März 2021“, sagt Alefeld-Gerges. Dazu stehen noch rund ein Dutzend Kinder auf der Liste, die bereits beim Kennlerntag dabei waren und nun auf einen freien Platz warten. „Es ist schwer, die Familien, die sich in Notsituationen befinden, so lange vertrösten zu müssen, aber wir haben schlichtweg nicht genug Platz für größere Gruppen unter Berücksichtigung der Abstandsregeln.“

Normalerweise ist in einer Gruppe Platz für bis zu 13 Kinder. Im Moment dürfen die Gruppen nur zur Hälfte gefüllt werden. Neben der räumlichen Situation kommt es auch im personellen Bereich zu Engpässen. Zurzeit kann der Verein nur mit etwa der Hälfte seiner Ehrenamtlichen arbeiten. Viele des angestammten Teams gehören zur Risikogruppe oder möchten unter den bestehenden Umständen ihre Tätigkeit ruhen lassen.

„Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen der Gewährleistung der körperlichen und der seelischen Gesundheit“, schildert Alefeld-Gerges. Mehrere Studien[1] aus dem Frühsommer weisen auf die hohen psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit der Corona-Krise hin. Kinder und Jugendliche, die sich durch den Verlust eines nahen Menschen ohnehin in einer Ausnahmesituation befinden, fühlen sich in der Regel besonders isoliert.

Während des Lockdowns haben wir den Kontakt zu den Familien telefonisch gehalten und Videos mit Übungen erstellt, die dabei helfen, das Gefühlschaos zu sortieren. Ein vollwertiger Ersatz zu den Gruppentreffen ist das jedoch nicht. „Viele der betroffenen Familien waren unheimlich erleichtert, als kleine Gruppentreffen im Juni wieder möglich waren“, schildert die pädagogische Leitung des Vereins. Doch der Bedarf ist deutlich größer Trauerland unter den gegebenen Umständen auffangen kann. “Das ist eine Situation für die wir keine Lösung haben“, so Alefeld-Gerges. „Schließlich lassen sich physische und psychische Gesundheit nicht gegeneinander abwägen.“

Ins Horn der Befürworter schneller Lockerungen der Hygienemaßnahmen will der Verein daher nicht stoßen. Vielmehr möchte Trauerland für die besonderen Bedürfnisse junger Menschen mit Verlusterfahrung sensibilisieren, da Kinder und Jugendliche zu den größten Verlierern der Krise gehören.

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[1] COPSY (Corona und Psyche), UKE Hamburg, Juli 2020
JuCo-Studie, Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld, Mai 2020